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Julius Leber in der Reichswehr

Der Kapp Putsch

Am 13. März 1920 versuchen rechte Republikfeinde um Wolfgang Kapp und Reichswehrgeneral Walther von Lüttwitz die Regierung zu stürzen. Hintergrund ist der Truppenabbau von Heer und Marine und Auflösung der Freikorps, gemäß des Versailler Friedensvertrages. SPD und die Gewerkschaften rufen zum Generalstreik auf, durch den der Putsch nach vier Tagen scheitert.

Leber in Uniform
1915 wurde Julius Leber Leutnant.
Foto: Julius und Annedore Leber Archiv, München

Julius Leber ist zu dieser Zeit mit seinem Regiment in Hinterpommern nahe der Stadt Belgard stationiert. Die Nachricht vom Putsch erhält die Truppe am selben Tag durch einen Funkspruch, der verkündet, dass nun eine Regierung „der Freiheit, der Ordnung und der Tat“ die Regierungsgewalt übernommen habe 1. Bei der Offiziersbesprechung am 14. März weigern sich von den 15 anwesenden Offizieren neben Leber noch zwei weitere, sich der Putsch-Regierung anzuschließen.

Leber, seit Jahresbeginn Mitglied der Belgarder SPD, setzt sich mit der dortigen Arbeiterschaft in Verbindung, um einen Gegenputsch der Arbeiterwehr und Blutvergießen zu verhindern. Parallel schickt er einen Kradmelder nach Berlin, um unverfälschte Nachrichten zu erhalten. In den Folgetagen werden Persönlichkeiten der Belgarder Arbeiterschaft von den Putschisten verhaftet.

Als Lebers Bemühungen um ihre Freilassung scheitern, fordert der republiktreue Belgarder Landrat Lebers Batterie zum „Schutz der Verfassung“ an. Dieser Bitte kommt Leber„eigenmächtig“ 2 nach. Doch soll seine Truppe durch die mit dem Putsch sympathisierenden Batterieführer entwaffnet und er verhaftet werden. Durch entschlossenen Widerstand der Truppe kommt es nicht dazu. Leber übernimmt auf Wunsch der Vertrauensleute die Führung der Batterie mit der er nach Belgard zieht. Dort wird ihm auch die Führung der Arbeiterwehr übertragen und er lässt alle strategisch wichtigen Gebäude der Stadt besetzten. Jedoch gelingt es ihm nicht, Zusammenstöße zwischen Putschisten und regierungstreuen Soldaten und Arbeitern zu verhindern. Es kommt zu Kämpfen mit Verwundeten und Toten.

Nach dem gescheiterten Putsch, bezichtigt der Kapp-Anhänger Major Banke Leber ein Linksputschist zu sein und fordert ihn zur Waffenniederlegung auf. Doch Leber lässt sich auf keine weiteren Auseinandersetzungen ein und entschließt sich, die Arbeiterwehr zu entwaffnen und mit seinen Soldaten abzuziehen.

Text des Flugblattes:
Arbeiter! Parteigenossen!
Der Militärputsch ist da! Die Baltikum-Landsknechte,
die sich vor der befohlenen Auflösung fürchten, haben den Versuch unternommen, die Republik zu beseitigen, und eine diktatorische Regierung zu bilden.
Mit Lüttwitz und Kapp an der Spitze!
Arbeiter, Genossen!
Wir haben die Revolution nicht gemacht, um uns heute wieder
einem blutigen Landsknechtregiment zu unterwerfen. Wir paktieren
nicht mit den Baltikum-Verbrechern.
Arbeiter, Genossen!
Die Arbeit eines ganzen Jahres soll in Trümmer geschlagen,
Eure schwer erkaufte Freiheit vernichtet werden.
Es geht um alles! Darum sind die schärfsten Abwehrmittel geboten.
Kein Betrieb darf laufen, solange die Militärdiktatur der Ludendorffe herrscht!
Deshalb legt die Arbeit nieder! Streikt! Schneidet dieser reaktionären Clique die Luft ab. Kämpft mit jedem Mittel um die Erhaltung der Republik! Lasst
allen Zwist beiseite! Es gibt nur ein Mittel gegen die Diktatur Wilhelms II.:
Lahmlegung jeden Wirtschaftslebens!
Keine Hand darf sich mehr rühren!
Kein Proletarier darf der Militärdiktatur helfen!
Generalstreik auf der ganzen Linie!
Proletarier vereinigt Euch! Nieder mit der Gegenrevolution!
Die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung:
Ebert, Bauer, Noske, Schlicke, Schmidt,
David, Müller.
Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei:
Otto Wels.
SPD-Flugblatt, 13. März 1920. Wikimedia Commons

Von Reichwehrminister Noske ergeht der Befehl, der alle beteiligten Truppen zum Waffenstillstand auffordert und die Klärung aller Vorfälle befiehlt. Leber nimmt dies zum Anlass, sich mit Major Banke an einem neutralen Ort zu verabreden, um die Waffenstillstandsbedingungen abzusprechen. Am Treffpunkt wird er von den Putschisten festgenommen, inhaftiert und – wie seine ebenfalls inhaftierten Kameraden – mit standrechtlicher Erschießung bedroht. Nach drei Tagen wird Leber freigelassen, um sich später dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, den am Putsch beteiligten Offizieren den Gehorsam verweigert zu haben. Schließlich verlässt er die Reichswehr und kehrt an die Universität Freiburg zurück.

Leber ist einer der wenigen Offiziere, der sich aktiv und unter persönlichem Risiko für die Republik einsetzt.


Literaturhinweise:

Dorothea Beck: Julius Leber. Sozialdemokrat zwischen Reform und Widerstand. Berlin 1983. S. 31-34

1. Dorothea Beck S. 31

2. Dorothea Beck S. 32