Logos AK, Stadtteillverein und Geschichtswerkstatt mit Panoramabild des Geländes

Julius Leber 1891-1945

Julius Leber 1930

Julius Leber 1930. Foto:
Julius & Annedore Leber Archiv

Julius Leber ist Sozialdemokrat, Reichstgsabgeordneter und Widerstandkämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er steht im Zentrum der Verschwörung gegen das NS-Regime. In den Umsturzplänen der Kreise um Stauffenberg ist er als Innenminister vorgesehen.

Leber, 1891 in Biesheim (Elsass) geboren, macht 1908 eine kaufmännische Ausbildung. Anschließend holt er das Abitur nach, um ein Studium der Nationalökonomie zu beginnen. Bereits 1912 tritt er der SPD bei. Er nimmt als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und bleibt nach Kriegsende Offizier bei der Reichswehr. 1920 setzt er sich gegen den antirepublikanischen KappPutsch ein und wird kurzzeitig inhaftiert.  Nach der Militärzeit schließt Julius Leber sein Studium ab und zieht 1921 nach Lübeck.

In Lübeck

Julius Leber 1933

Leber nach der Haftentlassung 1933 vor der
Lübecker Arbeiterschaft auf dem Burgfeld
Foto: Julius & Annedore Leber Archiv

Dort arbeitet er als Redakteur des sozialdemokratischen „Lübecker Volksboten“.  Er ist bis 1933 auch Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und von 1924 bis 1933 Reichstagsabgeordneter  für die SPD. 1927 heiratet er Annedore Rosenthal und bekommt mit ihr zwei Kinder.  In der Nacht des 31. Januar 1933 greift die SA in Lübeck Julius Leber gezielt an, woraufhin einer seiner Begleiter einen SA-Mann tödlich verletzt. Leber wird deshalb verhaftet, jedoch nach Protesten der Lübecker Arbeiterschaft wieder freigelassen.  In Lübeck tritt er ein letztes Mal auf einer öffentlichen Kundgebung auf. Am 23. März 1933 wird Julius Leber unmittelbar vor Betreten der Berliner Krolloper, der Tagungsstätte des Reichstags, erneut festgenommen. Seine Teilnahme an der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz soll  so verhindert werden. Wegen der Auseinandersetzung vom 31. Januar wird er in Lübeck  zu  20 Monaten Gefängnis verurteilt und  nach der Haft von 1935 bis 1937 im KZ Esterwegen und im KZ Sachsenhausen interniert.

Julius Leber 1944

Leber vor dem Volksgerichtshof 1944.
Foto: Julius & Annedore Leber Archiv

Im Zentrum des Widerstandes

Nach seiner Entlassung 1937 zieht Julius Leber zu seiner Familie nach Berlin. Da er als Journalist nicht mehr tätig sein kann, arbeitet er als Kohlenhändler in der Firma „Bruno Meyer Nachf.“, in der er 1939 Teilhaber wird. Trotz seiner vorangegangenen KZ-Haft trifft sich Julius Leber wieder mit Parteifreunden der SPD und Gewerkschaftern. Außerdem lernt  er weitere Oppositionelle kennen und knüpft neue Kontakte. 1943 weitet er seine aktive Widerstandsarbeit aus und intensiviert seine Verbindungen zu Carl Friedrich Goerdeler und zum Kreisauer Kreis. Über diese Gruppen lernt er auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg Ende 1943 kennen. 1944 steht Julius Leber mit im Zentrum der Verschwörung gegen das NS-Regime, an der sich militärische wie auch zivilgesellschaftliche Gruppen beteiligen. Bereits vor dem geplanten Attentat vom 20. Juli wird er aber am 5. Juli 1944 von der Gestapo in der Kohlenhandlung verhaftet. Am 20. Oktober 1944 ergeht in einem Schauprozess des Volksgerichtshofs im Berliner Kammergericht am Kleistpark unter Gerichtspräsident Roland Freisler  ein Todesurteil gegen Julius Leber. Es wird am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee vollstreckt.