Logos AK, Stadtteillverein und Geschichtswerkstatt mit Panoramabild des Geländes

Annedore Leber 1904 – 1968

Annedore Leber 1947

1947. Foto: A. und J. Leber Archiv

Annedore Leber sichert  während der Haft ihres Mannes die wirtschaftliche Existenz der Familie und kämpft für seine Freilassung. Nach dem Krieg baut sie die Kohlenhandlung wieder auf, veröffentlicht Bücher zum Wiederstand in ihrem Verlag und wird Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Annedore Rosenthal, 1904  in Berlin geboren, zieht mit ihrer Familie 1918 nach Lübeck. 1922 beginnt sie ein Jurastudium, das sie jedoch abbricht, um den Beruf der Schneiderin zu erlernen. Im November 1927 heiratet sie Julius Leber. Aufgrund seiner politischen Arbeit tritt sie ebenfalls in die SPD ein. 1929 kommt ihre Tochter Katharina zur Welt, 1931 ihr Sohn Matthias. Ihr Vater verliert nach  Beginn der Naziherrschaft seine Position als Direktor des Katharineums, eines Lübecker Gymnasiums, und verstirbt im März 1934.

Nach der Verhaftung ihres Mannes 1933 arbeitet Annedore Leber als Schneiderin, um die Familie zu ernähren. 1935 zieht sie nach Berlin. Dort kämpft sie mehrere Jahre um die Freiheit ihres Mannes, schreibt Bittbriefe an die NS-Behörden und wird dort vorstellig. Nach der Entlassung Julius Lebers 1937 unterstützt sie ihn bei seinen politischen Aktivitäten. Ab 1938 arbeitet sie  im Deutschen Verlag für die Schnittmusterabteilung. Nach der Verhaftung Julius Lebers am 5. Juli 1944 wird Annedore Leber von August bis September 1944 ebenfalls in Haft genommen.  Ihre Kinder kommen zwangsweise in eine fremde Familie.  Nach ihrer Freilassung kann Annedore Leber ihren Mann noch mehrmals im Gefängnis besuchen, bevor er Anfang 1945 hingerichtet wird.

Nachkriegszeit

Annedore Leber 1960

1960. Foto: A. und J. Leber Archiv

Kurz nach Kriegsende beginnt sie eine eigene politische Karriere. Im Oktober 1945 wird sie in  den Zentralausschuss der SPD gewählt und zur Leiterin des Frauensekretariats berufen. Von Oktober 1946 bis Dezember 1948 sitzt sie in der ersten und letzten Großberliner Stadtverordnetenversammlung. Zusammen mit dem ehemaligen Reichstagspräsidenten Paul Löbe und Arno Scholz ist Annedore Leber Lizenzträgerin der SPDnahen Zeitung „Telegraf“. Von 1947 bis 1949 gibt sie ihre eigene Zeitschrift „Mosaik“ heraus. Sie gründet den „Mosaik Verlag“ (ab 1961 „Annedore Leber Verlag“),  in dem 1954 ihr erster Band mit Widerstands-Biografien unter dem Titel „Das Gewissen steht auf“ erscheint.  Zeitgleich baut sie die im Krieg zerstörte Kohlenhandlung wieder auf, in deren Räumen auch ihr Verlag seinen Sitz findet. Ihre politische Laufbahn setzt sie 1954-1962 als Bezirksverordnete von Berlin-Zehlendorf und 1963 bis 1967 dann als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses fort.

1955 wird Annedore Leber Mitglied des Personalgutachterausschusses für die Bundeswehr und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Darüber hinaus ist sie Delegierte der Beratenden Versammlung des Europarates und Mitglied  der Deutschen UNESCOKommission. Als Vorsitzende des „Vereins für Handwerkliche Lehrstätten“ in Berlin-Britz setzt sie sich für Jugendbildung ein. Heute trägt die Einrichtung den Namen „AnnedoreLeber-Berufsbildungswerk“. 1968 stirbt Annedore Leber und wird auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beigesetzt.